Reportagen zu Tagestouren und Trips
Ausflug ins Oderland II
Umleiterverkehr auf der Oderlandstrecke


Nachdem ich bereits zum Tag der deutschen Einheit vor 2 Monaten im Oderland aktiv war, entschloss ich mich nun erneut mich dorthin zu begeben. Diesmal hatte den Anstoß nicht der Lok-Report gegeben, sondern der Bahn-Report. Meine Fahrt damals war auf die Baureihe 180 fixiert, die zur Sperrung der Oderbrücke in Frankfurt/Oder wahrscheinlich im Raum Berlin außer Dienst gestellt werden. Durch die Sperrung der Oderbrücke werden aber einige Züge umgeleitet, sei es über Forst oder über Kostrzyn. Da die Umleiter nach Kostrzyn über die nicht elektrifizierte Oderlandbahn geführt werden, versprach ich mir von diesen Zügen einige interessante Aufnahmen, schwere Güterzüge von Dieselloks gezogen sind eher selten, besonders im Weserbergland, wo nach Umstellung auf ESTW so gut wie gar nichts mehr möglich ist.

Im Bahn-Report, den ich eigentlich viel zu spät gelesen habe, standen dazu die Zeiten der Züge sowie das die Sperrung nur bis zum 13.12.2008 dauert. Das hat mich aufgeschreckt und den Anstoß gegeben. Meinen Restauranttag im Hotel Slamic nutze ich nun neben den kulinarischen Genüssen auch zur Studie, wann denn was geht. Wenn ich die Zeiten so studiere, eignet sich der Samstag am besten für einen Besuch. Am Montag ist nicht so viel los, so war schnell der Entschluss gefasst, am Samstag, den 06.12.2008, Nikolaus, fahre ich dorthin.

Am Freitag, den 05.12.2008 lege ich mich nach der Ankunft zu Hause gleich hin, da ich ja am nächsten Morgen früh aufstehen möchte. Nur irgendwie der Wecker, der funktioniert überhaupt nicht, lässt sich nicht umstellen, also verlasse ich mich mal auf mein Aufwachglück.

Samstag, 06.12.2008
Das klappt sogar. Ich werde tatsächlich um 4 Uhr wach, stehe aber erst um 04:15h auf. Nach Frühstück und Zähneputzen geht es in tiefster Nacht um 04:48h los. Der Weg ist wenig spektakulär, über die Bundesstrasse 217 bis kurz hinter Springe, dann rechts raus, südlich an Völksen vorbei und durch Gestorf durch hin zur Kreuzung mit der Bundesstrasse 3. Auf diese fahre ich gen Norden und in der Umfahrung Pattensen, Wechsel ich auf die Bundesstrasse 443. Ich befahre ich Eisenbahnüberführung in Rethen, von der ich einen ICE sehen kann. Wer da wohl an einem Samstag Morgen in aller Herrgottsfrühe drin sitzt ? Kurz danach erreiche ich die Anschlussstelle der Autobahn 7 und fahre auf diese, jedoch nur bis zum Kreuz Hannover und wechsele auf die Autobahn 2 mit Kurs Berlin. In Sachsen-Anhalt überkommt mich doch die Müdigkeit, so beschließe ich noch ein wenig zu dösen. Abfahren von der Autobahn möchte ich nicht, so fahre ich einen Autobahnrastplatz nahe Madgeburg an und tatsächlich, ich bin für eine Stunde weg, eingetaucht ins Reich der Träume. Als ich gegen kurz vor acht wieder erwache, wird es schon langsam hell. Ich verstaue wieder die grüne Decke hinten links unter dem Sitz, der dank des Fahrrades umgeklappt ist. Weiter geht die Fahrt, kurz hinter der Anschlussstelle Brandenburg wechsele ich auf meinen Berliner Radiosender, von dem ich nur die Nachrichten und Teile der Werbung verstehe. Dann geht es auf den Berliner Ring. Die Autobahnraststätte Michendorf fahre ich an, einen Blick in die Karte. Ich entschließe mich nicht den Ring zu fahren, sondern durch das östliche Berlin. Wieder auf dem Berliner Ring, fahre ich bis zum Schönefelder Kreuz und dann auf die A113. Dann wieder ein Dreieck, zu welches meine Karten zu alt sind. Ich entscheide mich für Treptow, auch wenn ich nicht weiß, wo das liegt. Klingt zu mindestens besser als Neukölln. Diese Autobahn mit Nummer A117 ist kurz danach zu Ende und man lässt mich auf eine Autostrasse auffahren, die weiter auf die Bundesstrasse 96a einfädelt. Kurz danach kommt ein Schild Köpenick und Hellersdorf, das klingt gut, ich folge ohne zu wissen, ob das richtig ist. Das geht auch noch den ganzen weiteren Verlauf so. Ein Glück kommt ein wenig die Sonne durch, so kann ich mich grob orientieren. Ein Blick bei der Nachbereitung auf viamichelin.de verrät mir meine Fahrtroute. Glienicker Weg, Spindlerfelder Strasse, Lindenstrasse, Bahnhofstrasse. Am S-Bahn-Bahnhof Köpenick überhole ich eine alte Straßenbahn. Meine Fotobegierde ist erwacht. Durch die Haltestelle habe ich einen Vorteil. Ich halte auf der Mahlsdorfer Strasse, nur die Straßenbahn biegt in den Stellingdamm, also kein Foto und es wird nicht die einzioge Pleite an diesem Tag bleiben. Etwas geknickt geht es weiter über den Hultschiner Damm uch ich erreiche tatsächlich Alt-Mahlsdorf und die Bundesstrasse 1 und 5. Die Agip-Tankstelle wird zum Volltanken genutzt, denn hier am Stadtrand von Berlin, danach beginnt das Tagesprogramm. Allerdings fahre ich auch gleich noch auf den Parkplatz von Mac Donald. Ich weiß ja nicht, wann denn wo was zu sehen ist. Natürlich habe ich das vorher nicht gemacht, sondern nur mal geschaut. So notiere ich aus dem Bahn-Report alle Zeiten für Samstag, sortiert nach Fahrtrichtung. Den Güterzug über Wriezen, den erwische ich nicht, so lasse ich diese Strecke außer Acht.

Seelow-Gusow, VT735 Seelow-Gusow, VT735
Seelow-Gusow, VT735 als NEB99703 nach Kostrzyn ? Seelow-Gusow, VT735 wendet und fährt zurück als NEB99704

Etwas verwunderlich finde ich es schon, dass ein Güterzug von Kostrzyn nach Seddin 4 Stunden braucht, aber ich nehme das mal so hin. Der erste Zug, den ich erreichen kann, wäre ein Güterzug, der Kostrzyn um 11:10h verlassen soll und es ist erst 10:00h. Wäre erreichbar. Ich mache mich auf den Weg, die Bundesstrasse 1 und 5 gen Osten. Ich fahre bis nach Seelow und dort zum Bahnhof Seelow-Gusow. Bei der ersten Oderlandtour habe ich diese Bundesstrasse in Jahnsfelde überquert, immerhin ich habe mich daran erinnert. Am Bahnhof Seelow-Gusow angekommen ist erstmal Fotostandortsuche angesagt. Mit dem tristen Stellwerk, nee, passt nicht. Bahnhofsgebäude ist schon gut, nur der neue Bahnsteig passt nicht ins Bild meiner Vorstellung. An den Ausfahrtsignalen Richtung Berlin stört die Mauer des Wohnhauses im Hintergrund. Eisenbahnfotografie ist halt doch nicht so einfach, wie es immer erscheint. Ich entscheide mich für dazwischen, denn ich möchte schon die Doppel-Telegraphenmasten ins Bild bringen. Wie lange ein Zug braucht, weiß ich nicht, so heißt es warten, warten, warten. Unterbrochen wird die Warterei durch den NEB99703 mit Triebwagen VT735 der NEB, Niederbarnimer Eisenbahn, welche zum Veolia-Konzern gehört. Kostrzyn steht auf dem Zugzeiger drauf, um so mehr verwundert es, das dieser in Seelow hält und die Positionslichter tauscht und das Ausfahrtssignal auf Langsamfahrt umspringt. Der Triebzug fährt nach kurzem Aufenthalt als NEB99704 zurück nach Berlin-Lichtenberg. Aber auf den Güterzug warte ich vergeblich. Eisenbahnfotografie bedeutet auch geduldig zu sein und Rückschläge in Kauf zu nehmen. Bis 12:20h reicht meine Geduld, dann beschließe ich den Standort zu wechseln. Mich verschlägt es noch weiter Richtung Polen. Über die Bundesstrasse 1 fahre ich nach Gorgast, dort, wo ich bei der ersten Oderlandtour einen Triebwagen habe durchrauschen sehen.

Gorgast, abgestellte W232-09 der ITL Gorgast_Bahnhofstrasse, VT643.20
Gorgast, abgestellte W232-09 der ITL Gorgast_Bahnhofstrasse, VT643.20 als NEB5373

Dort möchte ich zwei Berlin-Warszawa-Expresse fotografieren. Ich bleibe auf der Seite der ehemaligen Laderampe stehen und parke das Auto. Dieses Mal ist der Bahnhof gar nicht so leer, da steht die W232-09 der ITL, eine Co'Co' Lokomotive, gebaut in Lugansk 1978 unter der Nummer 0853, eingereiht als TE 109 026 bei SZD. Zuerst gehe ich auf den Bahnsteig, um die Lok von dort zu fotografieren, dann wieder zurück und zu einem Kohlenplatz, oder was auch immer das war, um sie noch mal von der anderen Seite abzulichten. Jetzt ist wieder warten angesagt. Das Auto habe ich so geparkt, dass ich die Schranken im Blickfeld habe, um schnell reagieren zu können, falls die sich schließen. Draußen warten möchte ich nicht, es ist zu kalt. Die Schranke schließt sich, ich springe heraus. Blick auf die Ausfahrtsignale Richtung Küstrin, ist grün, also kommt ein Zug aus Richtung Berlin. Es ist jedoch nur NEB5373 mit VT643.20. Der Zug hält und es steigt sogar jemand aus.

Gorgast, 232-691 vor EC445 Gorgast, 232-252 vor EC446, rechts ITL W232-09
Gorgast, Bahnhofstrasse, 232-691 vor dem EC445 Gorgast, 232-252 vor EC446, rechts ITL W232-09

Kaum bin ich im Auto, muss ich schon wieder raus, die Schranke schließt erneut und auch das Signal ist grün. Es ist bereits der EC445, geführt von 232-691, etwas zu früh, wie ich empfinde. Kurze Zeit kommt auch der Gegenzug, EC446, mit der 232-252 an der Spitze. Damit bin ich erstmal in Gorgast fertig und mache mich auf zu neuen Standorten. Laut Plan habe ich nun etwas Luft, planmäßig verlässt ein Güterzug mit Doppelbespannung 13:21h Lichtenberg-Ost. Durch den Zeitvorteil kann ich es mir erlauben und durchfahre Seelow. Interessantes kleines Städtchen, halte aber nicht, obwohl ich sonst schon gerne ein touristisches Programm einlege. Ein Denkmal zur Schlacht an den Seelower Höhen erspähe ich auch und auch das Hotel am westliches Stadtrand gibt es noch, so wie ich es in Erinnerung habe, nur Lidl, Aldi und Co auf der anderen Straßenseite, waren die 1998 auch schon da ??? Gleich im nächsten Ort, in Diedersdorf, verlasse ich die Bundesstrasse und fahre in Richtung Görlsdorf. Wirklich sehr einsam, aber es geht noch einsamer. Die Strasse nach Altrosental hat wirklich schon was romantisch-einsames. Vollbremsung, erstmal Orientieren, wo ist denn was. Zum Haltepunkt muss ich zurücksetzen, ich erreiche die Bahnschranke. Schöne alte DDR-Atmosphäre. Wie auch die Wegweiser im Ort, nichts wurde erneuert. Fotos, vergesse ich leider. Und die Bahnstrecke ist zweigleisig ! Zum Foto hier fehlt ein Zug, ein Triebwagen wurde nicht passen Blick nach rechts, Blick nach links. Die Anhöhen, die ich in den einschlägigen Magazinen gesehen habe, kann ich nicht ausmachen. Wo sind sie ? Gibt es sie ? Ich wende und fahre zurück, dann weiter zum Nordwestausgang des Dorfes. Ein Ortsausgangsschild gibt es, nur der Weg, der ist weniger als wie ein Feldweg. Den fahre ich trotzdem, aber relativ langsam, denn Pfützen, Schlaglöcher hindern und asphaltiert ist der sowieso nicht. Nach einiger Zeit entdecke ich links Anhöhen und dort ist auch die Schiene. Ich fahre weiter, bis fast nach die Grenze zu Trebnitz. Auto abgestellt und Lage inspirieren. Ist eigentlich sehr schön. Doppeltelegraphenmasten, schöner Blick auf die Strecke. Hier könnte ich verweilen, wenn es nicht so frisch wäre, denn im Auto warten, dafür ist der Weg zum sprinten zu weit, ich sehe auch nichts, was vorwarnt und stelle auch fest, einen Zug würde ich nicht hören. Denn just in dem Moment, als ich weiter will, bemerke ich das Vorsignal blinkt und tatsächlich, da kommt ein Güterzug aus Küstrin und den habe ich nicht herannahen gehört, obwohl die Ludmilla 233-536 ihn führt und 24 Waggons am Haken hat. Allerdings für die Uhrzeit war aber auch kein Zug beschrieben, vielleicht ist es der, auf den ich in Seelow gewartet habe. Weiter geht es auf dem Feldweg, vorbei am Einfahrtsignal von Trebnitz, was mich sehr beruhigt, denn nun weiß ich der Weg ist keine Sackgasse und tatsächlich, es gibt sogar ein Ortseingangsschild. In Trebnitz ist die Strecke wieder eingleisig, das wusste ich noch von der Oderlandfahrt I.

Alt-Rosenthal nach Trebnitz, Güterzug mit 233-536 Müncheberg, 232-245 und 233-285 im Bahnhof
Alt-Rosenthal nach Trebnitz, Güterzug mit 233-536 Müncheberg, 232-245 und 233-285 im Bahnhof
Müncheberg, Signalbrücke, VT643.20 als NEB99796 Müncheberg, ausfahrende 232-245 und 233-285
Müncheberg, Dahmsdorfer Strasse, Signalbrücke, VT643.20 Müncheberg, ausfahrende 232-245 und 233-285

Ich fahre zurück nach Jahnsfelde und auf die Bundesstrasse 1, um sie in Müncheberg wieder zu verlassen. Auch hier Ortsdurchfahrt. Der Ort gefällt mir, bei Sonnenschein wäre ein Foto und ein Rundgang sicher drin gewesen, aber bei der trüben Suppe. Ich durchfahre den Ort, hätte ich nicht das mit der Umleitung fehlinterpretiert, aber ich finde trotzdem heraus. Im Internet habe ich was von einer Signalbrücke in Müncheberg gelesen, das Ziel der Begierde hier und freundlicherweise hatten die auch geschrieben, dass diese sich am Ostende des Bahnhofes befindet. Der Bahnhof befindet sich in Dahmsdorf und ist auch ausgeschildert. Ich fahre bis zur Bahnschranke vor, diese ist unten, die Signalbrücke ist direkt dort, alle 3 Signale zeigen Rot, also muss der Zug aus Seelow kommen. Zu dem einen Signal, dem südlichsten, existiert da noch ein Gleis ? Ich glaube nicht. An dieser Schranke gibt es sogar einen Schrankenwärter und durch meine Aktivitäten mit Kamera ist er neugierig geworden und kommt ans Fenster. Ich frage „Wie ist der Güterzugumleiterfahrplan ?“ Seine Antwort kurz und ernüchternd: „Die fahren irgendwie, der Fahrplan ist Makulatur“. Ich frage, was denn kommt. Er sagt, eine Loküberführungsfahrt, 2 Maschinen aus Richtung Berlin. Ist das etwa der Güterzug aus Berlin-Lichtenberg von 13.21h, denn für den sind 2 Maschinen vorgesehen ? Es ist bereits 14:32h. Würde passen, denn dieser Zug soll 15:35 in Kostrzyn sein. Hinter mir hält ein weiteres Auto, der Fahrer, ein älterer Herr, steigt auch aus, er erzählt von alten Zeiten, und nun sei alles privat. Ich sage, nein, Schienen und Anlagen unterliegen weiter der DB, nur den öffentlichen Nahverkehr, den betreiben Private. Er lächelt und meinte, nun wisse er, warum alles verfällt.

Der Lokzug steht inzwischen vor dem Signal, es ist weiterhin rot. Auf einmal gehen die Schranken hoch, ein Zug kam aber nicht, wir fahren auf die andere Seite. Ich parke das Auto und laufe zum Bahnhof, dort wo die Loks stehen. Bild von der einen Maschine, an der Spitze steht 232-245, dann zu der anderen, der 233-285, und wieder zurück zu einem Standort, von wo man die Signalbrücke gut umsetzen kann. Die Schranke ist inzwischen wieder geschlossen, es naht erneut der VT643.20 der NEB, welche den Zug NEB99796 nach Berlin-Lichtenberg darstellt. Dieser Zug wird 7 Minuten im Bahnhof stehen bleiben. Das Signal der Signalbrücke springt auf Langsamfahrt, die Strecke nach Trebnitz ist ja nun frei und der Lokzug setzt sich in Bewegung. Danach ist für mich Müncheberg abgeschlossen, ich fahre zurück zur Strasse und biege ab in Richtung Eberswalde. Die andere Schranke am Westende ist geschlossen, ich überhole alle Autos und schwenke auf den Feldweg. In dem Moment öffnet sich die Schranke, ach so, die 7 Minuten waren vorbei. Die Autos warten schön, bis sich die Schranken komplett geöffnet haben und das Rotlicht erlischt. Ostfahrschule ist etwas anders als Westfahrschule.

Die Fahrt geht weiter, ich biege ab in Richtung Rehfelde, gut 10km Weg. Die Fahrt führt wieder auf eine sehr kleine, enge Strasse, aber asphaltiert. Durch die Orte Bergschäferei, Liebenhof, Garzin, Garzau erreiche ich Rehfelde und durchfahre den Ort. Auch hier eine handbediente Bahnschranke am Ostende des Bahnhofes. Nächster Zug im Fahrplan ist EC447, der Berlin-Gesundbrunnen um 15:30h verlassen soll. Es ist 15:10h und das Wetter, mehr als trübe, es scheint schon fast zu dämmern und ich schätze mal um 16:00h ist es dunkel. Von der Gegenseite, von der Friedrich-Engels-Strasse, ließe sich was machen, Signale und Bahnschranke. Ich gehe zurück zum Auto in der Bahnstrasse, welches ich am Bahnhof geparkt habe. In dem Moment senken sich die Schranken, ich stehe somit falsch. Das Formsignal nach Müncheberg wird auf grün gezogen, mal sehen, was kommt. Im Plan steht nicht außergewöhnliches, eigentlich gar nichts. Im Teleobjektiv … das sieht nicht so aus wie ein Triebwagen, aber es ist auch nicht rot. Also schnell noch irgendwie was aus der Situation machen. Die Signale müssen ins Bild, die Schranke vielleicht auch, es stört das Absperrgitter, aber ich entschließe mich letztendlich doch dazu. Der Zug ist eine Loküberführungsfahrt der ITL, die lichtgraue Traxx-Lokomotive 285-106, brandneu, erst dieses Jahr von Bombardier mit Betriebsnummer 34375 geliefert und von CB-Rail angemietet, welche von Babcock & Brown kontrolliert wird, die jedoch die Finanzkrise auch hart getroffen hat. Belichtungszeit des Fotos waren nur noch 1/250 bei ISO1600, was mich dazu bewegt, mein „Dienstprogramm“ für heute enden zu lassen. Die Lokomotive für den EC447 könnte nach Fahrplan die des EC446 sein, also habe ich die schon. Den Sonntag habe ich auch gleich mit abgehakt, denn viel zu erwarten gibt es da wohl nicht.

Rehfelde, Bahnhofstrasse, 92801-285-106-1-D-ITL Berlin, Hellersdorf, Einkaufszentrum Helle-Mitte
Rehfelde, Bahnhofstrasse, 92801-285-106-1-D-ITL Berlin, Hellersdorf, Einkaufszentrum Helle-Mitte

So fahre ich über Hennickendorf nach Rüdersdorf und auf der Bundesstrasse 1 hinein nach Berlin. Kurz vor der Autobahn ein mobiler Blitzer, ich bin aber nicht zu schnell, an der Autobahn ein riesiges Einkaufsparadies mit Möbelgeschäft, Hornbach und Kaufland. Etwas weiter, rechts, ein chinesisches Restaurant, wobei mir einfällt, ich habe ja noch nichts richtiges gegessen heute. Auch in Berlin geht es weiter auf der Bundesstrasse 1, weiter in Richtung Zentrum. Dann überall Blaulicht und auf der Eisenbahnbrücke der Frankfurter Allee am Bahnhof Berlin-Lichtenberg überqueren vermummte Polizisten die Fahrbahn. Im Radio erfahre ich Rechte und Linke sind aneinander geraten, denn die Nachrichten verstehe ich ja. In Berlin ist immer was los. Danach dann Stau, es geht nur langsam voran. Die Grenze zu Friedrichshain scheint auch die Grenze der Umweltzone zu sein, also nichts für mein Auto. Ziel ist der Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz und der Alexanderplatz ist nahe dem Funkturm, eine gute Orientierung für Leute, die nicht wissen, wo sie sind. Dort in der Nähe riecht es sehr nach Weihnachten, aber dann auf einmal nicht mehr. Also wieder zurück, die Weltuhr habe ich nicht gesehen und den Alexanderplatz, so wie in meiner Erinnerung habe ich nicht wahrgenommen. Es ist ja inzwischen auch stockdunster. Auf der Grunerstrasse entdecke ich ein Riesenrad. Ich gehe in den Shopping-Center Alex zusammen mit einer Menschenmasse, denn zwischen mir und dem Riesenrad ist dieses Einkaufszentrum. Dieser Menschenauflauf ist das Gegenteil zur Einsamkeit in Altrosental. Aber dann wieder durch den gleichen Eingang des Einkaufszentrum hinaus. Einen Pseudo-Weihnachtsmarkt ist auch an dieser Seite, den durchwandere ich und gelange an einen Eingang zum Weihnachtsmarkt an der Alexanderstrasse. Aber ist das ein Weihnachtsmarkt ? Riesenrad, Star Flyer und Überschlaggondel. Das ist eher ein Jahrmarkt. Und betreten kann ich den auch nicht. Wegen Überfüllung geschlossen. Ich gehe zurück zum Auto und setze meine Fahrt fort. Die Randale ist immer noch, immer noch viel Polizei und abgesperrte Strassen und so gelange ich nach Mahlsdorf in die Wodanstrasse, Ecke Hönower Strasse, wie auch immer ich dahin gekommen bin. Den Ostbahnhof habe ich in Erinnerung, aber das war es dann auch schon, was ich nachts ausmachen konnte. Ich stelle mein Auto ab und gehe zum griechischen Restaurant Poseidon, sieht sehr schön aus. Nur der Kellner meinte, vorreservierte Tische und voll.

So setze mich wieder ins Auto und es geht weiter. Irgendwie lande ich am Alice-Salomon-Platz, wo sich das Einkaufszentrum Helle-Mitte (für Berlin Hellersdorf Mitte) befindet. Dieses Einkaufszentrum ist zweigeteilt. Ich bleibe zuerst auf der Seite, wo auch der Weihnachtsmarkt ist. Dieser ist auch abgesperrt, aber nicht so überlaufen. Ich drehe eine Runde, um zu inspizieren, was es denn zu essen gibt. Ich entscheide mich für Chicken Mac Nuggets plus eine Pommes. Die Hähnchenstückchen kommen aus der Tiefkühltruhe und sind gepresstes Fleisch, nicht gerade was Superleckeres. Die Pommes sind ganz ok.

Dann begebe ich mich in das Einkaufszentrum auf dieser Seite. Innen drin ist es ganz leer, vielleicht 1 oder 2 Leute, aber die Weihnachtsausstattung finde ich sehr viel schöner als die vom Einkaufszentrum am Alexanderplatz. Ich mache das einzige Touristik-Foto auf dieser Tour. Somit gehe ich wieder hinaus und nun auf die andere Seite in den anderen Teil des Einkaufszentrums Helle-Mitte. Hätte ich das mal vorher getan. Die Ausstattung ist zwar sehr dürftig, aber dort gibt es eine Fressecke und sogar einen Dönerstand. Nun gut, inzwischen ist es 19:30h, ich gehe zum Auto zurück. Durch Mahlsdorf gelange ich wieder auf die Bundesstrasse 1, die ich bis zur Grenze von Berlin-Friedrichshain fahre, dann nordwärts Richtung Prenzlauer Berg, westwärts nach Wedding und ich finde sogar die Zufahrt zur A100. Bis zum Funkturm folge ich dieser, bevor ich auf die A115, dem Avus, abbiege und dann geht es auf eine nächtliche Autobahnfahrt. Berliner Ring, die A10, dann Wechsel auf die A2, die ich bis Hannover-Herrenhausen fahre. Über den Westschnellweg und dem Deisterplatz gelange ich zur Bundesstrasse 217 und bin Sonntagmorgen 00:32h nach 907 Kilometer wieder daheim. Ins Bett gelegt, schlafe ich sofort ein.