Reportagen zu Tagestouren und Trips
Keine weite Reise – Oigawa honsen
japanische Dampfzüge vor der Haustür


06.06.2015, Samstag, Eisenbahnfotografie in Kakegawa
Ich wache am Samstagmorgen, dem 06.06.2015, wie üblich in etwa um 5 Uhr auf. Auch wenn ich heute einen freien Tag habe und mir den so gestalten kann, wie ich möchte, bleibe ich noch einigen Minuten liegen, statt um 6 Uhr loszugehen und zu schauen, ob die EF65-Leistung um 06:25h eine reguläre Leistung ist, die ich letzte Woche beobachtet habe. Allerdings ist für dieses Wochenende nichts geplant; ich weiß nicht, was ich so anstellen könnte. So beginne ich den Tag wie jeden Tag und gehe zum Frühstück wie üblich um 06:30h. Früher geht nicht. Die Wettervorhersage wird auf dem Fernseher eingeblendet und die sagt den ganzen Tag Sonnenschein voraus. Das sieht schon mal sehr gut aus und beim Blick nach draußen bestätigt sich, das Wetter bessert sich, es ist wirklich Sonne zu sehen.

Nach dem Frühstück verlasse ich um 07:30h das Hotel und steuere das Parkhaus in Shiomachi an, von dem ich mit leicht erhöhtem Blick auf die Gleise blicken kann. Ich habe die gesamte Fotoausrüstung dabei. Primärmotiv ist der Güterzug in Richtung Hamamatsu um 08:30h. Dass ich so früh unterwegs bin, hängt mit einer weiteren Kontrolle zusammen, ob der Güterzug um 07:55h eine Eintagsfliege war oder nicht. Sekundär kann ich die neuen Kameras testen. Wie verhält sich die EOS100D im Videomodus ? Eine Frage, die mich bewegt. Bei Aufnahmen mit der als Videokamera kann ich auf die alte EOS1000D als Fotoapparat zurückgreifen. Die erste Frage wird sehr schnell beantwortet. Der 07:55h-Güterzug kommt nicht, vielleicht verkehrt der planmäßig um 07:35h und war an meinem Beobachtungstag einen Takt später unterwegs. Bei Güterzügen kommt das im äußerst pünktlichen Japan schon mal vor.

Kakegawa, Shiomachi, Parkhaus, 08:03h: EF210-159 Kakegawa, Shiomachi ,Parkhaus, 08:15: 211-5617 (SS11)
Kakegawa, Shiomachi, Parkhaus, 08:03h: EF210-159 Kakegawa, Shiomachi ,Parkhaus, 08:15: 211-5617 (SS11)
Kakegawa, Shiomachi ,Parkhaus, 08:18h: EF210-138 Kakegawa, Shiomachi, Parkhaus, 08:29h: EF65-2097
Kakegawa, Shiomachi ,Parkhaus, 08:18h: EF210-138 Kakegawa, Shiomachi, Parkhaus, 08:29h: EF65-2097

Um 08:05h und 08:15h habe ich die Möglichkeit die Kamera mit 2 weiteren Güterzügen in Richtung Shizuoka zu testen, die langweilig mit der japanischen Standardgüterzuglokomotive EF210 bespannt werden. Der heute um 08:03h durchfahrende Zug wird von der EF210-159 gezogen, dem 08:18h wurde die EF210-138 vorgespannt. Danach folgt der große Augenblick, der 08:30h kommt planmäßig und wird auch mit der gewünschten EF65 gefahren, heute die EF65-2097. Nach der Durchfahrt dieses Zuges beende ich das Programm auf dem Parkhausdach, denn die Sonne wandert zu weit herum, ich würde ins Gegenlicht fotografieren. Für die beiden 9-Uhr-Güterzüge in Richtung Shizuoka (09:10h und 09:20h) wähle ich den Bahnübergang an der Stadtteilgrenze Agehari (westlich) / Kuzugawa (östlich). Beide Züge fahren, nur ist dem 09:20h eine EF210 statt der gewünschten EF66 vorgespannt. Damit ist mein Güterzugmorgenprogramm beendet. Ich gehe auf direktem Weg durch die Siedlung ins Hotel zurück.

Kakegawa, Agehari, 09:10h: EF200-5 Kakegawa, Bahnübergang Stadtteilgrenze Agehari / Kuzukawa
Kakegawa, Agehari, 09:10h: EF200-5 Kakegawa, Bahnübergang Stadtteilgrenze Agehari / Kuzukawa
Kakegawa, Agehari, 09:17h, 211-5616 (SS10) Kakegawa, Agehari, 09:21h: EF210-6
Kakegawa, Agehari, 09:17h, 211-5616 (SS10) Kakegawa, Agehari, 09:21h: EF210-6

Im Hotel bleibe ich nicht lange, denn das Wetter ist so wie der Wetterbericht vorhergesagt hat. Es herrscht eitel Sonnenschein vor, das muss ich ausnutzen und endlich mal vernünftige Aufnahmen der Dampflok-Hochburg direkt vor der Haustür am Oigawa-Fluss in den Kasten zu bekommen. Zu den entfernten Zielen nach Yamaguchi und nach Aizu-Wakamatsu war ich schon unterwegs, nach Senzu habe ich es noch nicht geschafft, nicht einmal aus Kanaya hinaus bin ich gekommen. Das soll sich heute ändern. Mit der gesamten Ausrüstung samt dem Laptop wandere ich zum Bahnhof. Leider ist die Verfolgung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sehr hinderlich. Um Mittag herrscht eine 4-Stunden-Bedienlücke auf der Oigawa-Honsen (Honsen = Hauptstrecke, Oiwaga-Honsen in etwa = Großer-Brunnen-Fluss-Hauptstrecke). So muss ich bereits um 11 Uhr in Kanaya losfahren, um um 15:10h ein Foto der ersten Dampflokdurchfahrt in Fuyuko zu täten. 4 Stunden Wartezeit in einem kleinen Dorf. Dabei weiß ich nicht einmal genau, ob der erste Dampfzug auch fährt. Der Papierfahrplan sagt ein Zug (Buchstabe A), die Online-Fahrplanauskunft sagt ein Zug, die Extra-Internetseite leider nur in Japanisch sagt 2 Züge. Wonach soll ich mich richten ? Fährt nur ein Zug, dann könnte ich auch mit dem nächsten Bummelzug fahren, der Kanaya um 15:09h verlässt. In Fuyuko müsste ich mich beeilen, um den Regeldampfzug 15:50h zu erwischen, das wäre alles im Bereich des Möglichen. Nach der Durchfahrt darf ich dann allerdings erneut 2 Stunden warten, um mit dem nächsten, normalen Zug Fuyuko um 17:39h zu verlassen. Fuyuko habe ich mir deswegen ausgeschaut, weil laut Satellitenfotos dort Tee-Felder westlich der Bahnlinie auszumachen sind und ich möchte gerne ein Bild mit Tee-Feld im Vordergrund, Dampfzug im Hintergrund und wenn möglich das bei Sonnenschein, somit eignen sich nur die südwärts fahrenden Züge am Nachmittag.

Zugfahrt nach Kanaya und anschließendes Dampflokfoto
Ich hoffe auf beide Dampfloks, muss somit früh aufbrechen und verlasse das Hotel zum zweiten Mal um 09:57h. Auf direktem Weg eile ich den Schienen entgegen, bin jedoch nicht schnell genug, denn der 10:05h Güterzug Richtung Hamamatsu ist natürlich pünktlich, wird jedoch von einer EF210 bespannt, statt der sonst üblichen EF66. So ist es nicht ganz so schlimm, dass ich den nicht fotografieren konnte. Im Bahnhof stehe ich heute wieder am Schalter am Nordeingang, wo es zu den Bummelzügen geht. Dort darf ich ein wenig warten, bis sich die beiden Kunden vor mir zufrieden geben. Mein Anliegen ist schnell vorgetragen, ich möchte zwar lieber eine lange Strecke fahren, heute ist es jedoch nur der Ultrakurzbereich. Mit dem Kauf der Fahrkarte gibt es kein Problem. Das weiß ich allerdings erst, als ich den Kreditkartenbeleg in der Hand habe. Die Zahlen am Display haben sich nicht geändert. Meine Fahrkarten nach Kanaya und zurück kosten zusammen 640 Yen (4,60 Euro). Die eine Fahrkarte wird in die Barriere geschoben und schon darf ich den Bahnhof nach innen betreten und wandere gleich zu meinem Abfahrtsgleis. Lange warten brauche ich nicht, auf der Tokaido-Strecke geht immer was. Mit dem Triebwagen 313-2352 fahre ich um 10:16h in Richtung Osten los.

Die Fahrt ist kurz, es lohnt sich nicht den Rechner anzuwerfen, denn bevor der oben ist, bin ich schon da. Nicht einmal einen Blick in meine Eisenbahner-Zeitschrift gönne ich mir. Am Zielort Kanaya komme ich nach einer 15-minütigen Fahrt um 10:31h an. Wie üblich bei meinen Entscheidungen liege ich immer falsch und so ist es auch heute. Die Sonne hat sich vom Acker gemacht und alles ist in Wolken gehüllt. Klar, ich bin ja losgefahren. Ich stehe am Bahnhof in Kanaya und frage mich „Was nun ?“ Soll ich bleiben oder abbrechen und wieder nach Hause fahren ? Da hätte ich die 640 Yen ja zum Fenster hinausgeschmissen. So bleibe ich und mache erst mal weiter. Ich hoffe darauf, dass sich das Wetter vielleicht noch ändert und die Sonne sich am Nachmittag wieder blicken lässt. Allerdings bleibe ich erst mal nur in der Stadt und fahre nicht mit dem Anschlusszug nach Fukuyo, was ich mir heute als Fotostandort ausgeschaut habe. Zuerst decke ich mich im Informationshäuschen zwischen dem JR-Bahnhof und dem Oigawa-Bahnhof mit Informationsmaterial über Shimada und dem Fahrplan der ) ein. Attraktion ist die Dampflok „Thomas“, die auch wirklich dampft und einen Zug durch die Landschaft zieht. Puristen würde sicherlich das Herz stehen bleiben, denn so ist eine Dampflok sicherlich nie im Streckendienst eingesetzt gewesen. Welche Dampflok sich wirklich dahinter verbirgt, das weiß ich leider nicht und auch nicht, ob sie ihre Verkleidung ganzjährig trägt. Wenn es wirklich die C11 227 ist, dann trifft man sie im Winter als auch normale Dampflok.

Ich habe genügend Informationen und habe auch beschlossen, trotz bedecktem Wetter ein wenig zu bleiben und nicht gleich wieder zurückzufahren. Da ich sogar einen Zug früher als wie geplant ab Kakegawa gefahren bin, kann ich zu Fuß zur Oigawa-Eisenbahnstrecke wandern. Der 2. Dampfzug, die Dampflokfahrt, die eigentlich immer fast jeden Tag im gesamten Jahr gefahren wird, fährt hinter meinen Zug, den ich nehmen wollte. Den nordwärts fahrenden Dampfzug kann ich selbst bei bedecktem Himmel fotografieren und brauche kein Gegenlicht zu fürchten. Ich wandere los und die Straße hinab. Ich steuere nicht direkt meinen gedachten Standort an, sondern laufe an dem Supermarkt vorbei, wo ich auf dem Rückweg am 28.02.2015 nicht eingekauft habe, weil man dort nur mit Bargeld bezahlen kann. Ich überquere den Ojiro-Fluss, dessen Namen ich nun dank dem Informationsmaterial weiß, mit dem ich mich zwischen den Bahnhöfen (JR und Oigawa honsen) eingedeckt habe. Dahinter gelange ich zum Bahnübergang, den ich mir ebenfalls am 28.02.2015 auf dem Hinweg angeschaut habe.

Shimada, Kanayakamijugoken Shimada, Kanayamiyazakicho
Shimada, Kanayakamijugoken Shimada, Kanayamiyazakicho
Shimada, Kanayasakaecho, Ojiro-Fluss Shimada, Kanayaizumicho, Zug 7 mit 21002 und 21001
Shimada, Kanayasakaecho, Ojiro-Fluss Shimada, Kanayaizumicho, Zug 7 mit 21002 und 21001
Shimada, Kanayadaikancho, i.V. Tee-Felder Shimada, Shima, C56-44 als Zug101, E101 am Schluss
Shimada, Kanayadaikancho, i.V. Tee-Felder Shimada, Shima, C56-44 als Zug101, E101 am Schluss

Heute wandere ich am Wassergraben, während ich damals bei schönem Wetter westlich der Gleise geblieben bin. Ein Glück gibt es in Japan sehr viel Vorwarnung, überall gibt es schrankengesicherte Bahnübergange. Die Schranke bimmelt und ich komme zu einer schönen Aufnahme meines Zuges, Zug 7 mit den Triebwagen 21002 und 21001, mit dem ich eigentlich fahren wollte. Als nächstes wird der Dampfzug fahren. Ewig viel Zeit habe ich nicht, bis dieser Zug startet. Der verlässt Shinkanaya um 11:52h. Ich könnte es bis in den Bereich der Autobahnen schaffen, den Standpunkt ich als aussichtsreich eingestuft habe, als ich am 28.02.2015 mir mögliche Lokationen in natura angeschaut habe. Ich passiere den Haltepunkt Daikancho, darf zweimal die Bahnlinie höhengleich überqueren, wandere unter der mautfreien 1 und bin danach auf der Straße, die rechts und links von gefluteten Reisfeldern umgeben ist. Der Anblick ist zwar nicht der Hammer, jedoch besser anzusehen als noch im Winter oder Frühling diesen Jahres. Ich bleibe hier im Stadtteil Shima unweit dem Haltepunkt Higiri, denn der Dampfzug dürfte in Kürze starten, braucht nicht sehr lange, um hier zu sein. In der kurzen Zeit habe ich keine Chance bis nach Yokooka zu laufen, um dort den Zug mit einem Tee-Feld zu fotografieren. Ich muss mich so mit den nicht sehr schön anzuschauenden Reisfeldern begnügen, wo als Auflockerung davor vielleicht Kürbisse gesetzt sind. Wenn man so steht und wartet, können auch Minuten sehr lang werden. Endlich das erlösende Signal. Auch hier gibt es die Vorwarnung in Form einer Schranke und als die bimmelt, stelle ich die Videokamera an und warte noch wenige Augenblicke. Der Zug kommt und der wird wie üblich am Ende durch eine E-Lok geschoben. Die Dampflokomotive C56-44 habe ich noch nicht fotografiert, die E-Lok E101 hingegen schon.

Spaziergang nach Fukuyo 福用
Nun ist der Dampfzug durch und das Wetter weiterhin bedeckt. Es regnet allerdings nicht. Erneut stellt sich die Frage, was mache ich jetzt ? Gehe ich zurück zum Bahnhof oder bleibe ich hier ? Ich beschließe mein Programm wie geplant durchzuziehen und den Dampfzug auch auf der Rückfahrt zu fotografieren. Wie geplant möchte ich den in Fukuyo knipsen. Da mein Zubringerzug jedoch schon abgefahren ist und der nächste Personenzug dort erst nach der Ankunft des vermeintlich ersten Dampfzuges eintritt, fasse ich einen kühnen Entschluss. Ich werde den Weg dorthin zu Fuß wandern, denn eine Busstrecke habe ich nicht ausfindig gemacht. Heute bin ich auch viel früher unterwegs als wie am 25.04.2015, wo ich ähnlich gedacht habe, es jedoch nur bis zum Ortsrand in Yokooka geschafft habe. Ich wandere los und noch spüre ich meine Füße nicht. An der Kreuzung, wo ich zusammen mit Indian-Glamour-Fake und Silent-Ravise am 22.02.2015 bei meinem ersten Dampfzugausflug gewartet habe, biege ich heute ab und kämpfe mich den steilen Berg hinauf. Leider ist der Ausblick nicht so berauschend wie gewünscht.

Zurück auf die Straße möchte ich nicht, so gehe ich durch die Tee-Felder, die immer einen Durchgangsstreifen haben. Die sind noch etwas nass, das stört mich nicht. Die Spinnen wird es mehr stören, wenn ich deren Netze während meines Durchgangs komplett mitnehme und sie diese erneut weben dürfen. Nach den Teefeldern erreiche ich die Siedlung, bis zu der ich am 25.04.2015 gekommen bin. Weiter wollte ich damals nicht, denn ab hier verläuft die Bahn im Wald nicht allzu weit und nicht allzu hoch vom Ufer des Oigawa entfernt. Die Straße klebt jedoch sehr viel höher am Berg und dank den Bäumen kann ich die Bahn nicht sehen. Ich muss da nun durch und darf ein wenig spazieren gehen, wobei meine Schuhe alles andere als Wanderschuhe sind. Einen Bürgersteig oder Radweg gibt es nicht auf der sehr kurvenreichen Landstraße 473 durch den Wald. Da die wenigsten Autofahrer sicherlich auf dieser Straße mit einen Fußgänger rechnen, quetsche ich mich häufig an die Leitplanke, denn die Straße ist nicht nur kurvenreich, sondern auch schmal. Japaner wechseln gerne mit großem Abstand in den Gegenverkehr, das könnte einen Unfall verursachen.

Shimada, Landstraße 473 Yokooka, von, Kanaya Shimada, Landstraße 473 Kamio, Oigawa, Kanza
Shimada, Landstraße 473 Yokooka, von, Kanaya Shimada, Landstraße 473 Kamio, Oigawa, Kanza
Shimada, Landstraße 473 Kamio, Kanza, Oigawa Shimada, Landstraße 473 Kamio, Oigawa, i.H. Uami
Shimada, Landstraße 473 Kamio, Kanza, Oigawa Shimada, Landstraße 473 Kamio, Oigawa, i.H. Uami

Da ich ja wandere und nicht Zug fahre, die Straße ziemlich hoch durch den Wald führt und nicht immer Bäume die Sicht verdecken, kann ich mal anhalten, wenn ich möchte. So komme ich zu einigen schönen Ausblicken, die ich im Bild festhalte und nutze den Stopp auch, um ein wenig Flüssigkeit zu tanken. Eine richtige Rast möchte ich nicht machen, denn da weiß ich, da ruhe ich mich aus, da möchte ich dann nicht mehr weiter. Ein wenig deprimierend ist es schon. Da hinten im Wald müsste die Straße entlangführen, bis dort hinten muss ich noch gehen und dann noch weiter. Auf meinem Weg komme ich auch an einem Hinweisschild in einer scharfen Kurve vorbei. Links soll sich der Ryumon-Wasserfall befinden. Einen Wasserfall sehe ich, besonders ist der allerdings nicht. Ohne Fotos wandere ich weiter auf der Straße. Etwas weiter verläuft die Straße im Hang und teils trassenförmig optimiert über eine Brücke; von dort habe ich einen schönen Überblick auf den Oigawa und das Nest Kamio (diesuferseitig) sowie Uami am gegenüberliegenden Ufer.

Nach 2 ½ Stunden Wanderung habe ich endlich das nächste Nest erreicht, mein Ziel Fukuyo. Ich folge noch weiter dem Verlauf der Straße 473, die um Fukuyo herum geführt wird. Interessante Ausblicke auf die Bahn ergeben sich jedoch keine. Etwas davor wäre vielleicht eine Möglichkeit in der Brachlandschaft mit aufgeschütteten Hügeln und Baggern, jedoch empfinde ich den Einschnitt als zu eng. Von der Durchgangsstraße ist nicht viel zu machen, die ausgespähten Fotostandpunkte habe ich bereits passiert, die liegen auf der anderen Seite der Schiene. An der Kreuzungsweiche am Bahnhof wechsele ich von der Umgehungsstraße zur Ortsdurchgangsstraße und dann ein wenig zurück. Leider entpuppen sich die avisierten Fotostandpunkte nicht als optimal. Ein Tee-Feld hätte ich, nur würde der Zug mit etwas zu viel Abstand daran vorbei dampfen.

Dampflokfotografie und Aufenthalt in Fukuyo 福用
Ich muss mir den zweiten Tee-Feld-Standort anschauen, ob der nicht vielleicht besser geeignet ist. Die Schuhe sind nicht gepolstert, die Füße tun weh, ich kann fußtechnisch nicht mehr, konditionell aber schon. Zur Entlastung setze ich mich auf eine der wenigen Möglichkeiten, denn mit Bänken und Rastplätzen kann sich Japan wahrlich nicht rühmen. Während ich einfach nur da sitze und die Füße entspanne, höre ich plötzlich einen kurzen Pfiff. Das war kein Triebwagen, das war eindeutig eine Dampflok. Leider bin ich nach der langen Wanderung angeschlagen und nicht sehr gut zu Fuß, geschweige denn zu einem Sprint fähig. Von meinem Sitzplatz sehe ich nicht die Eisenbahnstrecke, ein Gebäudekomplex liegt dazwischen. Ich versuche es trotzdem, nur leider konnte ich nicht die Entfernung abschätzen, wie weit der Zug entfernt ist. Gibt es wenig Sitzgelegenheiten, so gibt es in Japan um so mehr Vorwarnsysteme. Die Schranke bimmelt bereits, der Zug ist sehr nah. In der Kürze der Zeit kann ich weder einen geeigneten Standort auskundschaften noch alle Einstellungen der Kamera für das optimale Bild überprüfen. Der Dampfzug mit der C10-8 wird natürlich unscharf getroffen, da ich noch auf Landschaftsaufnahme ausgerichtet bin, mit kleiner ISO, großer Blende und langer Belichtungszeit.

Shimada, Fukuyo, 1. Tee-Feld-Standort zu Spät: C10-8 dampft in Shimada, Fukuyo vorbei
Shimada, Fukuyo, 1. Tee-Feld-Standort zu Spät: C10-8 dampft in Shimada, Fukuyo vorbei
Shimada, Fukuyo, 16103 als Zug 10 Shimada, Fukuyo, 21002 und 21001 als Zug9
Shimada, Fukuyo, 16103 als Zug 10 Shimada, Fukuyo, 21002 und 21001 als Zug9

Der Zug fährt an mir vorbei und nun bin ich schlauer. Der Papierfahrplan sagt ein Zug, die Online-Fahrplanauskunft sagt ein Zug, die Extra-Internetseite sagt 2 Züge am heutigen Samstag. Ich koche schon mal und das ohne Sonne. Dann warte ich halt auf den zweiten Zug und trotte zu einem Standpunkt. Der zweite Dampfzug kommt auf jeden Fall, denn das ist die Stammleistung, die selbst im Winter angeboten wird. Ein bisschen stur bin ich schon, ich möchte ein schönes Bild, Zug im Hintergrund und vorne ein Tee-Feld mit grünen Spitzen und nicht kahlgeschoren, abgeerntet. Wieder auf der Bank warten möchte ich auch nicht, sondern ich erleide Qualen und bleibe hier im Tee-Feld stehen. Der Standpunkt ist besser als wie den ich mir zuerst angeschaut habe. Ich stehe unweit unterhalb der Brücke der Umgehungsstraße am südlichen Ortsausgang und habe mich mitten in den Tee postiert. In Blickrichtung, von wo der Dampfzug kommen wird, habe ich Grün, direkt hinter mir ist das Feld inzwischen jedoch kahlgeschoren, das sieht scheiße aus.

Die Schranke bimmelt und das ist für den ersten Nahverkehrszug. Ich eile zur Schranke, um den Zug von vorne zu erwischen. Leider habe ich den Fahrplan nicht im Kopf, denn als erster Zug passiert der Zug nach Kanaya meinen Standpunkt und der kommt folglich von hinten. Die Zugkreuzung findet in Kamio statt, einen Bahnhof mitten im wäldernen Nichts unweit dem Flussufer. Der dazugehörige Ort ist etwas abseits gelegen, wahnsinnig aufregend stelle ich mir die Ortschaft nicht vor. Der Gegenzug fährt als nächster durch, für den wüsste ich die Richtung, nur fotografiere ich auch den rückwärtig, um mal eine andere Perspektive zu erlangen. Gut, den Dampfzug werde ich von genau der gleichen Stelle knipsen, aber die Dampflokfotos werden in einer anderen Kategorie abgelegt, so fällt das nicht auf. Der Nahverkehrszug und der Dampfzug kreuzen sich in Ieyama, ein bisschen warten darf ich noch. Mit mir warten noch einige andere Fotografen; die haben sich an der Schranke postiert.

Ich habe "das Glück" gepachtet. Kurz vor der geplanten Durchfahrt des Dampfzuges kommt ein Tee-Bauer mit seinem Insekten-Vernichtungs-Spritz-Wagen daher, schmeißt den Diesel fast direkt neben mir an und sprüht sein Tee-Feld. Lauter Lärm und Insektenvernichtungsmittelwolke, besser kann ein idyllisches Eisenbahnfoto gar nicht sein. Auf dem Bild sieht man natürlich nichts davon, denn die Teefelder in meinem Rücken werden mit Pestiziden hochgradig belastet. Nur bei der Videoaufnahme würde der Diesel die Dampflokgeräusche übertönen. Ich koche schon wieder. Funktioniert eigentlich irgendwas einmal nach Plan ? Nebenbei ist mir die Lust nach grünem Tee nun endgültig vergangen und warum muss der ausgerechnet jetzt spritzen, wo ich warte. Vielleicht sollte ich doch Tee trinken, bei so viel Sprühen fällt jede Mücke tot um, wenn sie mein Blut trinkt. Dann könnte ich sogar wieder bei geöffnetem Fenster schlafen statt wie jetzt alles verschlossen zu halten und die heiße Luft im Hotelzimmer ertragen zu müssen. Es kommt mal wieder alles zusammen, was man sich denken kann. Die Chipkarte der Videokamera ist fast voll, da passt keine Film-Sequenz mehr drauf. Ich wechsele die Karten und auf der Video-Chipkarte ist noch Platz für 9 normale Fotos. Das sollte reichen, wenn ich mich etwas zurückhalte. Auf der Chipkarte der Spiegelreflexkamera ist noch genügend Luft und es stört auch nicht, wenn dort noch die Bilder von Kyoto und Nara als Kopie den brauchbaren Platz reduzieren.

Fukuyo, Spritzeinsatz im Tee-Feld Shimada, Fukuyo C56-44 als Zug102
Fukuyo, Spritzeinsatz, Tee-Felder vorn und links kahlgeschoren Shimada, Fukuyo C56-44 als Zug102

Auf einmal hört der Bauer zu spritzen und stellt seinen Diesel ab. Er grüßt mich sogar freundlich, in Deutschland wahrscheinlich unmöglich, wenn man mitten im Feld herumsteht. Danach zieht er von dannen und es herrscht wieder Stille, bis die Schranke bimmelt und ich schweißgebadet voller Konzentration auf den Dampfzug warte. Die Bilder mit der Dampflok C56-44 sind nicht wirklich berauschend, das Licht wirkt matt und fahl. Diese Dampflok ist neu in meinem Archiv, Oigawa-honsen präsentiert sich wirklich mit einer Menge betriebsfähiger Dampfloks. Nach der Zugdurchfahrt packe ich wie die anderen Fotografen meine Sachen zusammen. Im Gegensatz zu denen darf ich laufen und danach mit dem Zug fahren, die haben es besser und sind mobil mit dem Auto unterwegs. Als ich an der Ortsdurchgangsstraße angekommen bin, haut mich der nächste Tiefschlag aus den Latschen und ich bin nun richtig sauer. Lust auf Rätsel ? Nein, ich löse auf. 3 Minuten, nachdem der Dampfzug durch ist, ist auch die (Wetter-)Wolke weg und ich stehe in der Sonne, mein Fotostandpunkt erstrahlt im schönsten Abendlicht. Ich koche, ich fluche und mein Kopf ist wieder rot und heiß, nun vielleicht auch wieder wegen der Sonne. Mit Zornesröte und genügend Wut im Bauch wandere ich in Richtung Bahnhof und so abgelenkt spüre ich nicht einmal meine schmerzenden Füße.

Auf dem Weg zum Bahnhof möchte ich noch einen 1.000 Yen-Schein wechseln, da es sicherlich hier im Dorf keinen Fahrkartenverkauf am Bahnhof gibt und man im Bus möglichst das Wechselgeld passend zur Hand haben sollte. Dass es im Zug wie im Bus einen Geldwechsler gibt, ist mir so noch nicht aufgefallen, dabei hatte ich Gelegenheit dazu im Bus in Kyoto und im Zug auf der Fahrt nach Kameyama. In Fukuyo wäre einzig die Tankstelle als mögliche Wechselstelle möglich. Allerdings nehme ich von meinem Vorhaben Abstand, denn der Tankwart macht einen so gelangweilten Eindruck, den möchte ich in seiner Entspannung im Liegestuhl nicht stören. Kurz danach habe ich das schmucke Ambiente des Bahnhofshäuschen erreicht und wie erwartet gibt es dort keinen Fahrkartenschalter. Der Bahnhof wartet mit viel Technik auf, das bieten nicht einmal die großen deutschen Bahnhöfe, die nicht mit dem Luxus einer Lounge prahlen können. Hier in diesem Nest gibt es einen Warteraum und der hat sogar eine Steckdose ! Ich kann meine Wartezeit optimal überbrücken, denn ich habe den Laptop dabei, da ich wusste, ich werde länger warten dürfen. Allerdings war die Wartezeit eher zwischen der Hin- und Rückfahrt des Dampfzuges angedacht, diese Zeit habe ich jedoch mit Wandern zugebracht. Nun darf ich warten und schreibe gut eine Stunde über meine Rückfahrt vor 2 Wochen von Kagoshima nach Kakegawa.

Auf dem Vorplatz sind einige Jugendliche aktiv. Kurz bevor mein Zug kommt, wird die Jalousie des Ladens halb hochgezogen. Soll ich es dort versuchen und meinen 1.000 Yen-Schein tauschen ? Ich betrete den Laden und weiß zuerst, warum die Jalousie nur halb geöffnet ist. Die Ladenbesitzerin ist nicht die Größte und auch ganz das Gegenteil von pummelig, halt typisch japanisch klein und zierlich. Die Produktpalette an Getränken und Knabberzeugs bietet nichts für mich, allerdings hat sie Fahrkarten im Sortiment und das so wie früher, Pappfahrkarten und nicht so ein Papierwisch, den man sich auf seinem heimischen Drucker selber drucken muss. Natürlich hat sie alle Destinationen der Oigawa-Strecke im Angebot. Sie fragt mich, ob ich nach Senzu möchte. Der Zug nach Senzu kommt als erster hier durchgefahren. Nein, ich benötige eine Fahrkarte nur bis Shinkanaya, da ich im Anschluss noch einkaufen möchte. Die Fahrkarte kostet mich 460 Yen und ich habe sogar etwas in der Hand. Normalerweise wirft man passend auch in der Bahn oder Bus sein Geld wie in einem Tempel oder Schrein in eine Kiste und das war’s.

Shimada, Fukuyo, Bahnhof, 16103 als Zug11 fährt ein Shimada, Fukuyo, warten auf den Zug nach Shinkanaya
Shimada, Fukuyo, Bahnhof, 16103 als Zug11 fährt ein Shimada, Fukuyo, warten auf den Zug nach Shinkanaya

Mit der Fahrkarte in der Hand begebe ich mich auf den Inselbahnsteig, denn auch in Fukuyo könnten Züge kreuzen. Der Bahnsteig ist liebevoll gestaltet. Die Blumenkästen laden zu einem Foto ein und passend dazu integriere ich den Gegenzug. Für ein weiteres Bild habe ich etwas mehr Aufwand betrieben und das Stativ aufgebaut. Da ist das einzige Foto von mir am heutigen Tag und ich sitze gemütlich statt mich stehend vor einem Bauwerk zu präsentieren. Kurz danach kommt mein Zug und ich kann ein wenig neue Strecke fahren. Die Eisenbahnlinie schlängelt sich unweit des Ufers im Tal entlang, während die Straße hoch oben am Hang geführt wird. Die Eisenbahn nutzt einen Tunnel und wir kommen am Bahnhof Kamio wieder ans Tageslicht. Wenn man diesen Bahnhof, ja auch der hat ein Ausweichgleis, auf einer Karte sieht, so liegt der mitten im Nichts oder besser im Wald an einem Hang. Ich entdecke keine Straße und frage mich, wer hier wohl aus- oder einsteigen mag. In Fahrtrichtung hinter mir links wäre ein Weg zum Dorf, den habe ich nicht entdeckt. Immerhin hat dieser Bahnhof was zu bieten. An ihm stehen einige tierähnliche Wald-Figuren herum, keine religiösen Figuren wie Jizo oder Buddha. Leider bin ich nicht vorbereitet, kann ich das ahnen ? ... und habe so die Kamera nicht griffbereit.

Zugfahrt und Einkauf in Shinkanaya
Ich fahre bis Shinkanaya und steige dort aus. Als erstes nehme ich mir einige Triebzüge vor die Linse. Die Dampfloks sind bereits ins Depot abgefahren. Auch hier bin ich nicht allein, ein Pärchen schaut sich ebenfalls am Bahnsteig um. Auf dem Rückweg fragt er mich, ob er von mir mit meiner Kamera ein Foto knipsen soll. Nein, ich lehne dankend ab, denn außer den Wagen, einer altertümlichen Angst-E-Lok, die den Dampfzügen beigegeben wird, und einem Triebwagen steht nichts herum, was den Hintergrund spannend oder interessant erscheinen lässt. Beim Verlassen zeige ich meine Fahrkarte vor und darf sie nach dem Entwerten behalten. Ich frage den Bahnangestellten nach den Dampfloks und der Möglichkeit nach einem Foto. Diese Frage versteht er nicht. Da ich in Japan bin und man viel Wert auf Kundenzufriedenheit legt, holt er ein Tablet hervor und übersetzt mit einem Online-Übersetzer. Ich muss den Bahnhof verlassen und nach links gehen. Ich hatte eher nach einem Zugang zu den Dampfloks gefragt. Wo ich die finde, hätte ich auch so erahnt.

Shimada, Kanayaazuma, Bahnhof Shinkanaya: 21001 Shimada, Kanayaazuma, Bahnhof Shinkanaya: E101 und 7204
Shimada, Kanayaazuma, Bahnhof Shinkanaya: 21001 Shimada, Kanayaazuma, Bahnhof Shinkanaya: E101 und 7204
Bahnhofsbetriebswerk: C12-164 auf der Drehscheibe Bahnhofsbetriebswerk: Thomas (C11-227 ?) hinter den Kohlen
Bahnhofsbetriebswerk: C12-164 auf der Drehscheibe Bahnhofsbetriebswerk: Thomas (C11-227 ?) hinter den Kohlen

Ich gehe so wie beschrieben an einem Geschäft und einem Bus-Depot vorbei. Die Drehscheibe befindet sich zwar hinter einem Zaun, ist jedoch publikumswirksam genug, dass sich dort einige Leute versammelt haben, obwohl heute keine Aktion mehr zu erwarten ist. Auf der Drehscheibe ist die C12-164 geparkt. Ob diese Drehscheibe zum Drehen der Dampflokomotiven genutzt wird oder es eine weitere gibt, das weiß ich nicht. Sollte sie genutzt werden, müssten die Mitarbeiter die C12-164 erst herunter fahren oder fahren lassen und danach wieder hinauf, um zur Schau gestellt werden zu können. In Deutschland würde ich sagen, das macht niemand. In Japan ist das anders. Die Dampfloks fahren grundsätzlich Schornstein voraus, am Zielpunkt angekommen gibt es immer noch eine Drehscheibe und selbst die Sitze in einem Shinkansen werden bei jeder Fahrt gedreht. Der Fahrgast sitzt bei denen immer wie im Flugzeug in Fahrtrichtung. Japan scheut keinen Aufwand wie in Europa, wo Plandampf der Vergangenheit angehört, weil man sich in Wolsztyn (Polen) nicht einig werden konnte. In Japan wird das einfach gemacht. Und noch etwas wird in Japan gemacht, was für die Kinderherzen und weniger für Eisenbahnfreunde, die einen Dampfzug möglichst so auf Strecke sehen möchten wie zu Kaiser Zeiten oder besser Kaiser Wilhelm Zeiten, denn einen Kaiser gibt es noch in Japan. Was sagt der wahre Dampflokfreund, wenn die Dampflok knallblau angepinselt und sogar vorne mit einem Gesicht verziert ist ? Hinter der Dampflok auf der Drehscheibe steht der Star der Kinder; die Dampflok sieht genauso aus wie Thomas. Die C56-44 steht übrigens im Depot, bereits gedreht für den morgigen Einsatz; mit Teleobjektiv kann ich sogar die noch gut ablichten.

Der Ehrgeiz hat mich erfasst. Ich hätte gerne auch die Thomas-Dampflok ordentlich im Bild. Nur von hier aus vom Zaun an der Drehscheibe ist da wenig zu machen. Vielleicht habe ich drüben vom Spielplatz bessere Karten. Es ist zwar ein weiter Weg dahin, denn ich muss einmal um den Pudding, sprich um den Bahnhof herum, wage das Unterfangen trotz schmerzenden Füßen. Langsamen Schrittes wandere ich wieder zurück und passe am Bahnhof nicht auf, dass ich in den Eingangsbereich gelotst werde. Da ich zum Zurücklaufen keine Lust verspüre, mache ich auf ganz sportlich und will die tief gespannte Schnur am Bahnhofseingang galant übersteigen. Leider bin ich weder sportlich noch elegant und grazil in meinen Bewegungen, bleibe hängen und fliege fast die Fresse. Ist das peinlich vor anwesendem Publikum. Schnell suche ich das Weite, überquere den Bahnübergang, über den ich schon mit Indian-Glamour-Fake und Silent-Ravise am 22.02.2015 gefahren bin. Ich biege nach rechts in die Mini-Seitenstraßen ab und wandere einfach nach Gutdünken in Richtung Spielplatz. Japaner sind sehr ordentlich und sauber. Oma in der typisch japanischen Arbeitsweise, in der Hocke, zupft das spärliche Grün weg, andere nennen es Unkraut, natürlich ohne großartige und klobige Utensilien wie eine einfache Hacke. Sie unterbricht ihre Arbeit, steht auf, nur um mich respektvoll zu grüßen. Ich fühle mich wie ein Shogun.

Ich habe den Spielplatz erreicht. Über den Zaun kann ich am einfachsten fotografieren, wenn ich mich die viel zu kleine und enge Rutsche hinaufbewege. Hoffentlich bricht die nicht zusammen. Das Kind bleibt im respektvollen Abstand und wird erst nach meinen Aktionen zur Rutsche eilen. Welche Dampflok sich wirklich unter dem Thomas verbirgt, das kann ich nicht genau sagen. Ich vermute die C11-227 und führe sie entsprechend so in der Statistik. Ich brauche auch nicht daran denken, einen Bahnmitarbeiter zu fragen, denn das dürfte sicherlich eine sehr schwierige Frage sein, wo jedes gebrochene Englisch kapituliert. Neben dem Thomas werden noch die anderen abgestellten Triebwagen fotografiert, die ich ohne Probleme vor meine Linse bekomme. Ein wenig weiter ist am Lokschuppen noch eine andere E-Lok abgestellt, die nicht im dunkelbraun unterwegs ist, so wie die der dem Dampfzug beigegebenen Maschinen, sondern in einem rot-beigen Design. Die ebenfalls in Würfelform vorgehaltene E32 dient vielleicht als Rettungszug, denn morgen werde ich an weiteren Bahnhöfen an der Strecke weitere E-Lokomotiven dieses Typs sichten.

Shimada, Kanayakawara, 21004, links 16102 Shimada, Kanayakawara, abgestellt E32
Shimada, Kanayakawara, 21004, links 16102 Shimada, Kanayakawara, abgestellt E32

Mit den Aufnahmen im Kasten kann ich nun endlich den Kurs zum Supermarkt einschlagen. Ich darf den ganzen weiten Weg zurück und dann noch zusätzlich vom Supermarkt zum Bahnhof Kanaya an der Tokaido-Strecke. Oma ist immer noch am Unkraut zupfen, das wäre nichts für mich. Die Schranke ist geschlossen, ich beeile mich jedoch nicht, um den Zug zu sehen. Danach habe ich endlich den Max-Valu-Supermarkt erreicht, der etwas größer als wie der Entetsu oder der Sanzen erscheint und preislich vielleicht einen Ticken billiger ist.

Im Kaufrausch muss ich schauen, was ich denn so gebrauchen kann. Viel Varianz ist es nicht, es sind immer irgendwie die gleichen Produkte, die in meinem Einkaufskorb landen. Getränke finden sich mit 2*Grapefruit-Saft-Pappkartons und einer 1,5-Liter-Cola-Flasche wieder; heute ist Wochenende, da darf ich mir auch zuckersüße Cola erlauben. Süß geht es weiter, denn auch eine Packung Bourbon-Schoko-Keks und 2* Meiji-Schokolade gönne ich mir als Frustverzehr nach einem langweiligen Tag. Die Chips-Sorten habe ich noch nicht getestet, ich bleibe weiter bei den Pringles-Chips. Eine weitere neu eingeführte Tradition führe ich fort, das Eis zum Genießen, nachdem ich den Supermarkt verlassen habe. Hier im Max Valu bieten sie ein schmackhaftes Nogger-Eis an, was nicht einmal sehr teuer ist. Damit habe ich alles im Korb, was ich meine, für die nächsten Tage zu benötigen. Es geht zur Kasse. Heute klappt das mit der Kreditkarte ohne Probleme. Vielleicht muss nur der richtige Mann an der Kasse stehen, der weiß, wie man eine ausländische Kreditkarte richtig durch das Lesegerät zieht. So merke ich nichts von meinem Geldverlust in Höhe von 1.052 Yen, umgerechnet 7,55 Euro, welches mir der Max Valu - Kanaya Shop in Shimada, 377-1 Kanayaogicho um 18:57h abbucht.

Noch im Supermarkt befreie ich das Eis aus seiner Verpackung. Die leere Hülle schleppe ich weiter mit mir herum, denn Mülleimer gibt es in Japan genauso wenig wie Sitzgelegenheiten oder Dreck auf der Straße. Nach meinem Einkauf beim Max-Valu wandere ich die bekannte Strecke zum Bahnhof und da ich den Weg schon kenne, komme ich gefühlt gut voran. In Höhe der Brücke über die Betonkanäle habe ich mein Eis noch nicht ganz aufgelutscht, da darf ich das für ein Foto beiseitelegen. Nach den Aufnahmen geht es ohne Umschweife weiter und am Bahnhof nehme ich den ersten Triebwagen, der kommt. Auf der kurzen Fahrt mache ich natürlich nichts außer ein wenig mir die anderen Fahrgäste anzuschauen. Unser Zug erreicht Kakegawa. Ich steige aus und begebe mich auf direkten Weg durch die Nacht in Hotel, welches ich um 19:49h erreiche. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. 19:49h und es ist tiefdunkle Nacht. In Deutschland ist es mindestens bis 22:30h hell, davon kann ich hier nur träumen. Natürlich mache ich nichts weltbewegendes mehr, treibe mich nicht herum, fahre kein Fahrrad oder stürme die Mucky-Bude wie der durchtrainierte Extreme-Activity-Adi, dem nur an Party gelegen ist oder auch Open-Easy-Igor, der natürlich auch Fahrrad fährt oder Muckibude, um im guten Licht dazustehen. Fragt sich, wie Padden-Pawen seine Abende oder Wochenenden verbringt.

07.06.2015, Sonntag, Oigawa-Dampflok zum zweiten
Am Sonntag, den 07.06.2015, starte ich den zweiten Anlauf. Dieses Mal wandere ich nicht nach Fukuyo, sondern fahre mit dem Zug bis Aobe. Auf der Fahrt kann ich mögliche weitere Fotostandorte für die Rückfahrt anschauen. Kurz hinter dem Haltepunkt Aobe überquert die Eisenbahnlinie den Oigawa auf einer großen Brücke. Die ist das Ziel meiner Aktivitäten am heutigen Sonntag. Da ich mit dem Nahverkehrszug fahre, der von dem 2. Dampfzug unterwegs ist, komme ich heute zu 3 Dampfzugfahrten, auf die ich nicht einmal lange warten muss. Ich werde heute gut unterwegs sein und nutze die Nahverkehrszüge zum Standortwechsel. Heute werde ich auch ab Kanaya mit dem Oigawa-Nahvertriebswagen fahren, den ich gestern im Vorbeifahren geknipst habe. Da ich in gleicher Zeitlage wie gestern ab Kakegawa losfahre, brauche ich nicht einmal zeitig aufstehen, kann das Frühstück genießen und widme mich auch nicht der Eisenbahnfotografie am frühen Morgen.

Um 09:47 verlasse ich das Hotel und nehme den direkten Weg am Kanal entlang zur Eisenbahnstrecke. Der Spaziergang ist kurz, ich komme rechtzeitig vor dem 10:00h Güterzug in Richtung Hamamatsu an die Strecke, der planmäßig mit einer EF66 bespannt ist. Da in Japan die Züge exakt pünktlich fahren und das auch für Güterzüge und Dampfzüge gilt, kann man genau nach Fahrplan wandern und braucht nicht lange warten. Kurz vor dem Güterzug nehme ich noch den 313-2501 mit, bevor sich natürlich pünktlich mein Güterzug dem Bahnhof nähert. Leider fährt der Shinkansen Richtung Tokio etwas zu früh los, sonst hätte ich ein sehr schönes Bild, ausfahrender Shinkansen mit Güterzug. Im Bahnhof kaufe ich mir wie gestern die Fahrkarten für Hin- und Rückfahrt zu 320 Yen je Strecke, also 640 Yen im Gesamten. Da ich bis Kanaya mit der JR fahre und von dort bis Aobe mit der Oigawa honsen, kann ich nicht eine Fahrkarte für die Gesamtstrecke erwerben.

Kakegawa, Ekimae, 313-2501 (T1) Kakegawa, Ekimae, EF66-109, ausfahrender Shinkansen
Kakegawa, Ekimae, 313-2501 (T1) Kakegawa, Ekimae, EF66-109, ausfahrender Shinkansen
Kakegawa, Bahnhof: TH2112, in Gleis 1 210-5027 211-5027 (LL9) nach Toyohashi mit Zugpersonal
Kakegawa, Bahnhof: TH2112, in Gleis 1 210-5027 211-5027 (LL9) nach Toyohashi mit Zugpersonal

Die Wartezeit auf dem Bahnsteig verbringe ich mit weiteren Eisenbahnfotos. In den Tenryu-Hamanako-sen-Gleisen, einer weiteren, privaten, japanischen Eisenbahngesellschaft, steht deren Triebwagen TH2112 herum, der direkt an unserem indischen Apartment-Haus vorbeirumpelt. In den JR-Gleisen wendet im Gleis 1 die Bedienung nach Toyohashi und ich habe Glück, dass das uniformierte Zugpersonal gut sichtbar am Zug wartet. Endlich kommt meine Einheit, mit der ich um 10:16h nach Kanaya starte. Die Fahrt ist wenig aufregend, ein kleiner Tunnel unter den Shinkansen-Gleisen, dann Kikugawa und noch ein Tunnel, an dessen Ende sich bereits der Bahnhof Kanaya befindet, wo ich auf die Oigawa-Hauptstrecke mit Bahnhofswechsel umsteigen darf.

Japan bietet wirklich was auf. Heute fährt die in hellbau gehaltene Dampflok „Thomas“, dafür gibt es extra einen Informationsstand mit dem typischen Messe-Zelt hier am Bahnhof, der zudem noch mit 5 Personen besetzt ist. Thomas selbst wird jedoch hier am Bahnhof nicht angekommen, der fährt unten im Tal in Shinkanaya ab. So viel Pomp muss natürlich fotografiert werden. Dabei fährt Thomas in den Sommermonaten fast täglich im Wechsel mit einer weiteren Lokomotive der Serie, meist James, an wenigen Tagen sind sogar beide zusammen unterwegs und dazu noch der reguläre Dampfzug. Das bedeutet bis zu 3 Dampfloks auf einer Strecke, wo nicht einmal viel Besiedlung festzustellen ist. Dazu noch der Informationsstand; und, nicht zu vergessen, die Dampfloks fahren immer Schornstein voran. Wenn das jemand in Deutschland liest, der muss unweigerlich mit dem Kopf schütteln, Deutschland ist eine Service-Wüste, so ein Heckmeck wird da nicht getrieben. Und auf welcher Strecke fahren täglich ... TÄGLICH ... bis zu 3 Dampfloks ???

Shimada, Kanayashinmachi: Information Thomas-Dampflok Bahnhof Kanaya, Einfahrt 16003 als Zug 6
Shimada, Kanayashinmachi: Information Thomas-Dampflok Bahnhof Kanaya, Einfahrt 16003 als Zug 6

Ich passiere den Informationsstand links und darf mir im Oigawa-Bahnhof eine Fahrkarte bis Aobe kaufen. Wie viel die kostet kann ich nicht sagen, es ist etwas teurer als auf den JR-Gleisen. Das gute Stück Pappe kostet 1.680 Yen, immerhin 12,05 Euro für 36 Kilometer, sogar teurer als die schon ohnehin nicht billige Deutsche Bahn. Eine Fahrt mit der Dampflok ist nicht sehr viel teurer. Darauf kommen zwar noch 800 Yen als der in Japan übliche Expresszug-Zuschlag, den es auch in Spanien gibt, das ist jedoch alles im fairen Rahmen und aus deutscher Sicht nicht überteuert, aus indischer Sicht wäre es wahrscheinlich alles unerschwinglich. Auf meinen Anschlusszug darf ich 33 Minuten warten, aber das wusste ich ja zuvor. Mit einem Zug später ab Kakegawa hätte ich den noch locker erreicht. So kann ich die Ankunft meines Triebwagens fotografieren, habe freie Sitzplatzwahl und kann bis zur Abfahrt in meinem Lokreport schmökern. Auf der Fahrt schaue ich sehr genau auf die Strecke, wo man was machen könnte. Als Stopp für ein mögliches Bild auf der Rückfahrt habe ich die Gegend um den Bahnhof Nukuri ausgespäht. Hier gibt es viele Teefelder. Diese liegen jedoch alle sehr tief. Einzig an einem Übergang südlich des Haltepunktes eröffnet sich eine sehr gute Möglichkeit. Nebenbei bemerke ich die vielen abgestellten Lokomotiven baugleich der E32 gestern in Shinkanaya.

Dampflokfotografie an der Oigawa-Honsen ( 大井川本線 Großer-Brunnen-Fluss-Hauptstrecke)
Unser Zug erreicht den Haltepunkt Aobe, ebenfalls sehr schmuck ausgestattet. So viel Liebe zum Detail gibt es in Deutschland bei einem Haltepunkt ähnlicher Kategorie sicherlich nicht. Bis zum Dampfzug bleibt nicht ewig Zeit, in einer knappen Stunde dürfte der hier durchfahren. Da es ein Expresszug ist, hält der nicht in Aobe. Mein Ziel ist die Flussbrücke über den Oigawa unweit von hier. Bei der stören weder ein Geländer noch ein Stahlbogen die Sicht auf den Zug und die Brücke ist auch lang genug, dass ich Lokomotive und einige Wagen auf dem Bild sehen kann. Wie ich gehen muss, auch das habe ich mir angeschaut. Der direkte Weg über das Feld war dort nicht eingezeichnet, ich wandere auf den Straßen der Siedlung, dann über eine Brücke über Bahn und Straße und in einem Bogen hinab zur Straße. Auf dieser darf ich weiter in Richtung Sakidaira, erreiche kurz danach die Straßenbrücke über den Oigawa. Die nicht ganz parallel verlaufende Eisenbahnlinie verläuft zu dicht für ein schönes Foto, so eignet sich die Straßenbrücke nicht für nordwärts fahrende Züge. Leider führt der Fluss nicht sehr viel Wasser. Das Flussbett ist in großen Teilen trocken und erinnert mehr an eine Steinwüste. Bis zum ersten Foto habe ich jedoch noch ein wenig Zeit und kann mich schon einmal in Sakidaira umschauen, ob es nicht noch eine bessere Position gibt.

Im kurzen Abstand hinter der Straßenbrücke über den Oigawa regelt Opa mit einer großen roten Flagge den Verkehr. Wenn der in Spanien wäre, würde man den für einen Torrero halten. Den kann ich leider nicht fotografieren, denn der schaut dauernd zu mir herüber und ich erhalte bevorzugte Behandlung. Die Autofahrer dürfen wegen mir anhalten. Ich habe kurze Zeit später meinen Fotostandort am Flussufer erreicht. Von diesem Ufer aus gesehen fließt der Fluss selbst in einiger Entfernung, dazwischen befindet sich nur das trockene Flusssteinbett, etwas trostlos anzuschauen. Ich warte nicht alleine hier, zwei andere Fotografen haben sich direkt an der Brücke in Stellung gebracht. Ich möchte Brücke und Zug von der Seite in Szene gesetzt haben. Meine Wartezeit wird durch einen in Richtung Kanaya fahrenden Nahverkehrszug unterbrochen und dauernd muss ich irgendwelchen Jugendlichen Platz machen, die mit ihrem Auto in das trockene Flussbett fahren. Immerhin konnte man so einiges lernen. Nebenbei teste ich noch die Ameisen, ob sie Zuckerspuren in meiner Nogger-Eis-Verpackung von meinem gestrigen Einkauf finden, die ich noch mit mir im roten Leinenbeutel herumschleppe. Nö, das interessiert sie nicht. Der Dampfzug kündigt sich mit einem Pfiff an, höchste Konzentration ist gefordert. Die Einstellungen stimmen, ich drücke mehrfach ab.

Sakidaira, Oigawa-Brücke: 21001 und 21002 als Zug 8 Sakidaira, Oigawa-Brücke: C56-44 zieht Zug 101 nach Senzu
Sakidaira, Oigawa-Brücke: 21001 und 21002 als Zug 8 Sakidaira, Oigawa-Brücke: C56-44 zieht Zug 101 nach Senzu

Das war’s. Der nächste Dampfzug kommt in 1 Stunde 10 Minuten und für den eignet sich diese Stelle nicht, denn der kommt von hinten. Ich nutze die Zeit um ein wenig im Sakidaira umherzuwandern und mir mögliche Standorte anzuschauen. Der nächste Dampfzug soll in Thomas-Verkleidung fahren, das lockt nicht nur Eisenbahnfotografen an, sondern mehr die Kinder, die unbedingt den Thomas-Zug sehen wollen. Am Gleis sollte ich nicht so gedankenlos sein, denn plötzlich erscheint ein Triebwagen, den ich gar nicht im Plan hatte. Dank dem Frühwarnsystem der vielen Schranken bin ich rechtzeitig gewarnt und gelange sogar zu einem Foto des 7204 als Zug 4001. Mit Umherwandern im Gleis haben die Japaner an der Oigawa-Strecke auch kein Problem. Neben den unzähligen Bahnübergangen mit Schranke gibt es noch sehr viel mehr Übergänge für Fußgänger. Bei diesen japanischen Bahnübergangen würden Vertreter von DB Netz sicherlich in Atemnot kommen und besorgte Lokalpolitiker sowieso. Und noch etwas sticht im Gegensatz zu Deutschland oder den Shinkansen-Strecken hervor. Die japanische Blumenkastenkultur hatte ich schon mal erwähnt und die findet sich auch auf den Bahnsteigen wieder und selbst am Bahndamm blühen die Lilien oder Hortensien. Direkt am Haltepunkt Sakidaira findet sich eine wunderbare Stelle. Was wäre das für ein Bild, wenn da ein nordwärts fahrender Dampfzug heranrollt; sehr viel besser als das Bild mit der Brücke über den Oigawa. Leider kommt in nächster Zeit kein Zug mehr, so muss ich das Bild ohne Zug knipsen.

Kawanehon, Sakidaira Kawanehon, Sakidaira, Triebwagen 7204 als Zug 4001
Kawanehon, Sakidaira Kawanehon, Sakidaira, Triebwagen 7204 als Zug 4001
Kawanehon, Sakidaira: Lilien am Haltepunkt Japanischer Bahnübergang mit Hortensien
Kawanehon, Sakidaira: Lilien am Haltepunkt Japanischer Bahnübergang mit Hortensien
Kawanehon, Aobe: Landstraße 77 Oigawa-Brücke Zug1004 mit C11-227 als „Thomas“ auf der Oigawa-Brücke
Kawanehon, Aobe: Landstraße 77 Oigawa-Brücke Zug1004 mit C11-227 als „Thomas“ auf der Oigawa-Brücke

Die Flussbrücke erscheint mir doch als beste Alternative, nur für den Thomas-Dampfzug von der Aobe-Seite her. Sie ist sogar mit einem Fußgängerweg ausgestattet, leider auf der schienenabgewandten Seite. Da ich den japanischen Autofahrer als sehr umsichtig einschätze, wage ich einfach mein Stativ auf der Straße aufzustellen. Womit ich überhaupt nicht gerechnet habe, zeigt sich, je mehr die erwartete Durchfahrt näher rückt. Ein deutscher Autofahrer würde nur den Kopf schütteln. Der japanische Autofahrer hält da an, wo es ihm passt und wenn das mitten auf einer Brücke außerhalb einer geschlossenen Ortschaft ist, dann ist das halt so und es war nicht nur ein Autofahrer, dem danach zu Mute war. So falle ich mit meinem Stativ gar nicht auf. Thomas kommt, die Kinder flippen aus und schon ist auch dieser Spuk vorbei. Der zweite Dampfzug mit normaler Dampflok und normalen Wagen folgt im 43-Minuten-Abstand (Senzu ab 14:10h und 14:53h). Zwischen den Dampfzügen fährt noch ein Nahverkehrszug, den ich zum Standort wechseln nach Nukuri nutze.

Kawanehon, Aobe, Zug 10 mit 7305 rollt heran Shimada, Kawanecho, Nukuri
Kawanehon, Aobe, Zug 10 mit 7305 rollt heran Shimada, Kawanecho, Nukuri

In Nukuri angekommen, muss ich mir erst mal Hände waschen. Ob der Wasseranschluss privat ist oder nicht, ich weiß es nicht. Der Typ von mir macht keine Anstalten sich besonders zu beeilen. Er meckert allerdings auch nicht, als ich danach den Wasserhahn nutze. In Nukuri hängen einige bunte Ballons herum, den nutzen einige Fotografen für ihr Dampflokbild. Die Eisenbahn in Nukuri wird mitten durch die Tee-Felder geführt, hier finden sich einige Motive. Meinen präferierten Standort habe ich mir während der Hinfahrt an einem Bahnübergang südlich des Haltepunktes ausgeschaut. Den steuere ich unverzüglich an, da nördlich des Haltepunkts die Bahn auf einem Damm geführt wird. Mein Standort scheint ziemlich beliebt zu sein, denn dort haben sich so einige Fotografen versammelt. Direkt am Bahnübergang ist das Tee-Feld kahlgeschoren, sehr schön in den Bildern zu erkennen, dahinter wächst alles im satten Grün. Ich stelle mich einfach zu den anderen Fotografen und baue mein bescheidenes Stativ auf, welches die kleine Videokamera tragen wird. Gegen so eine japanische Blitzerfalle mit schwerem Gerät und teils 3 große Kameras auf dem Stativ wirke ich eher mikro.

Shimada, Kawanecho Nukuri Shimada, Kawanecho Nukuri, japanische Blitzerfalle
Shimada, Kawanecho Nukuri Shimada, Kawanecho Nukuri, japanische Blitzerfalle
Shimada, Kawanecho Nukuri: schweres Geschütz im Teefeld C56-44 und E102 am Zugschluss als Zug102
Shimada, Kawanecho Nukuri: schweres Geschütz im Teefeld C56-44 und E102 am Zugschluss als Zug102

Der Dampfzug kommt durch die Kurve herangefahren. Schade, dass ich mit den neuen Objektiven nicht mehr zwischen Zoom und Weitwinkel variieren kann, es gilt, entweder oder. Nach den Fotos spricht mich noch der Fotonachbar an, es wird jedoch nur ein kurzes Gespräch und nicht so wie das in Yamako letzte Woche. Alle Fotografen sind natürlich mit den Autos da, welche sie auf den Feldwegen geparkt haben. Ich bin als Fußgänger unterwegs und darf auf den nächsten Zug warten. Den fotografiere ich sogar, denn es ist ein Nahverkehrszug nordwärts nach Senzu fahrend. Ich möchte jedoch nach Süden und auf einen Zug in diese Richtung darf ich eine Stunde warten. Um die Wartezeit zu verkürzen, wandere ich heute wieder ein wenig an der Straße bis nach Ieyama. Bis dorthin sind es jedoch nur 3 Kilometer, einmal über einen Hügel und es gibt sogar einen Fußweg neben der Straße. Ieyama bietet nach meinem Geschmack nicht sehr viel und ohne Entdeckerlust begebe ich mich auf direktem Weg zum Bahnhof. Dort angekommen, schiebt eine Angestellte zwar direkt im Bahnhof Dienst, eine Fahrkarte kann man bei ihr jedoch nicht kaufen. Im Bahnhof wimmelt es nur so von Mücken, ich warte lieber auf dem Bahnsteig und kann dort noch eine abgestellte E-Lok und einen Triebwagen fotografieren.

Shimada, Kawanecho Nukuri: E102 am Schluss des Zuges 102 16103 und 16003 als Zug 9 Richtung Senzu
Shimada, Kawanecho Nukuri: E102 am Schluss des Zuges 102 16103 und 16003 als Zug 9 Richtung Senzu
Shimada, Kawanecho Nukuri Shimada, Kawanecho Nukuri
Shimada, Kawanecho Nukuri Shimada, Kawanecho Nukuri
Shimada, Kawanecho Ieyama, Bahnhof, abgestellte Einheit 3507 abgestellt E33, 3008 und 3507
Shimada, Kawanecho Ieyama, Bahnhof, abgestellte Einheit 3507 abgestellt E33, 3008 und 3507

Ieyama ist Kreuzungsbahnhof und aus beiden Richtungen kommen die Züge. Ich fotografiere meinen Zug nicht, denn es ist die orange-schwarze Einheit, die ich in bereits in Nukuri abgelichtet habe. Mir gefallen die graugrünen Einheiten mehr, die versprühen altes Flair aus. Ich steige in Ieyama in den Zug und das ohne Fahrkarte. Im Zug selbst werde ich auch nicht kontrolliert. In Nahverkehrszügen wird man nicht auf seine Fahrkarte angesprochen und das obwohl ein Schaffner immer mit an Bord ist und der auch ab und an durch den Zug schlendert. Im Shinkansen kann es schon vorkommen, dass man seinen Fahrschein zeigen muss, besonders als Ausländer in den Nozomi-Zügen, denn die dürfen mit dem Japan-Rail-Pass nicht benutzt werden. Auch die Hayabusa-Shinkansen und Mizuho-Shinkansen fallen in diese Kategorie. Im Kodama, Hikari, Sakura, Tsubasa oder Yamabiko fragt kein Schaffner nach dem Fahrausweis. Heute fahre ich nicht weder superschnell noch tausende von Kilometern, sondern gemütlich bummelig in einem Flusstal. Ich fahre durch Fukuyo, wo ich gestern eingestiegen bin und dann durch den Tunnel. Heute denke ich in Kamio an die Figuren gegenüber dem Bahnsteig. Leider habe ich nicht die Iso-Zahl hochgedreht, so sind die Aufnahmen alles andere als scharf und gestochen. Allerdings lieber unscharf im Kasten als gar nicht fotografiert.

Shimada, Kamio, Figuren am Bahnhof Kakegawa, Chuo-1-Chome, C58-49 als Spielplatz-Dampflok
Shimada, Kamio, Figuren am Bahnhof Kakegawa, Chuo-1-Chome, C58-49 als Spielplatz-Dampflok

Von Ieyama fahre ich heute ohne Fahrkarte durch Shinkanaya bis hinauf nach Kanaya und steige dort aus. In Japan sind die Leute ehrlich und man vertraut sich. Man bezahlt beim Aussteigen und nennt dem Mann an der Kasse in Kanaya einfach dort, wo man eingestiegen ist. Die Fahrt für die 17 Kilometer von Ieyama bis hierher kostet mich 820 Yen. Für die restlichen 16 Kilometer bis Kakegawa bezahle ich nur 320 Yen, das ist doch ein gewaltiger Unterschied. Die Fahrkarte habe ich schon, nur muss sie sehr lange suchen, bevor ich sie endlich finde und die direkte Barriere von Bahnsteig zu Bahnsteig passieren kann. Von der Fahrt gibt es wenig zu berichten, ich sitze einfach nur da und lasse mich durch die Gegend fahren. Auch wenn ich heute sehr früh von meinem Sonntagsausflug zurückkehre, so gönne ich mir trotzdem die warmen und leckeren Hühnchen-Teile für den Sofortverzehr und das Eis zum Wochenendabschluss auf dem Hotelzimmer. Im Lawson direkt am nördlichen Bahnhofsvorplatz bezahle ich dafür um 18:32h 540 Yen. Der Weg zum Hotel ist schnell gegangen und dort um 18:42h angekommen, habe ich nur noch eine leere Schachtel, in der sich die 5 Hähnchen-Stückchen befanden. Im Hotelzimmer genieße ich mein Eis und lasse den Abend ausklingen.

Wenn ich schon einen sehr dampfloklastigen Erlebnisbericht ohne Stadtbesichtigung oder sonstiges touristischen Höhepunkt beschreibe, dann darf ich in diesen Bericht auch ein Bild vom Donnerstag, dem 11.06.2015, einfügen, denn auch in Kakegawa steht eine Dampflok herum. Die C58-49 dient zwar nur als Spielplatz-Lok, ist doch wettergeschützt aufgestellt. In Deutschland betreibt man einen solchen Aufwand nicht, aber ich bin aktuell ja weit ab der Heimat. Da man in Japan sehr ordentlich, respektvoll miteinander umgeht und zudem ehrlich ist, befindet sich die Lok in respektablen Zustand, ist weder mutwillig zerstört noch demoliert, noch großartig verrostet. Wenn man wollte, wäre es sicherlich leicht möglich, die Maschine wieder als Laufen zu bringen, obwohl ich nie auf die Lok geklettert bin und mir auch nicht das Innenleben angeschaut habe. Die Dampflokomotive ist östlich nahe dem Entetsu in Kakegawa aufgestellt.

Anreise und Informationen zur Oigawa-Honsen 大井川本線
Die Oigawa-Honsen (Oigawa-Hauptstrecke) ist eine eingleisige Eisenbahnstrecke im Flusstal des Oigawa (zu deutsch in etwa: Großer Brunnen Fluss; gawa oder kawa = Fluss). Sie befindet sich in der Präfektur Shizuoka im Stadtgebiet von Shimada. Anschluss an das übrige japanische Eisenbahnnetz besteht nur am südlichsten Punkt der Strecke, am im Reise-Blog erwähnten Bahnhof Kanaya. Der Bahnhof Kanaya ist Haltepunkt an der Tokaido-Strecke Tokio – Nagoya und nur mit Nahverkehrszügen zu erreichen. Abgesehen von dem Homeliner und einem Nachtzug verkehren keine Expresszüge auf der Tokaido-Stammstrecke. Der Tokaido-Shinkansen, ebenfalls zwischen Tokio und Nagoya und weiter nach Kyoto und Shin-Osaka (neuer Bahnhof von Osaka), durchfährt das Stadtgebiet von Shimada und fährt auch unter dem Mt. Fuji Flughafen Shizuoka entlang, hat jedoch keinen Verkehrshalt in Shimada. Die nächstgelegenen Halte sind Kakegawa, welcher nur von Kodama-Shinkansen bedient wird, und Shizuoka, ebenfalls Kodama-Halt und Halt einiger Hikari-Shinkansen. Der Nozomi-Shinkansen fährt ohne Halt von (Tokio -) Shin-Yokohama bis Nagoya. Ab Kakegawa oder Shizuoka kann der Bahnhof Kanaya mit Nahverkehrszügen erreicht werden. Ab Shizuoka bitte beachten: einige Züge fahren nur bis zum Bahnhof Shimada und wenden dort. Mit dem Auto kann die Oigawa-Strecke sehr einfach über die Tomei-Autobahnen erreicht werden oder über die mautfreie Staatsstraße 1. Der Flughafen Mt. Fuji Airport Shizuoka liegt auf den beiden Stadtgebieten von Shimada und Makinohara. Ein Bus verkehrt vom Flughafen zum Bahnhof Shimada (Südseite). Allerdings eignet sich der Flughafen nicht eine direkte Umsteige-Verbindung von Europa, da die Flüge von Taipei, Shanghai oder Seoul nach Shizuoka meist vor Ankunft der aus Europa kommenden Maschinen verlassen. Von den interkontinental agierenden japanischen Fluggesellschaften wird der Flughafen Shizuoka nur von der ANA (All Nippon Airways) angeflogen und das nur auf der Verbindung Sapporo / Chitose – Shizuoka – Okinawa. JAL (Japan Airlines) bedient Shizuoka nicht. Der Mt. Fuji Flughafen ist Heimatbasis der Fuji Dream Airlines. Alle Angaben: Stand Juni 2015.

Die Oigawa-Hauptstrecke ist eine knapp 40 Kilometer lange, japanische Eisenbahn, die den Bahnhof Kanaya in Shimada mit Senzu im Distrikt Kawanehon, beide Präfektur Shizuoka, verbindet. Sie wird durch die Eisenbahngesellschaft Oigawa Railway betrieben. Die Eisenbahnlinie verläuft im Tal des Oigawa durch dünnbesiedeltes Gebiet ohne nennenswerte Städte oder Ortschaften. Die Bahn befördert hauptsächlich Touristen zu den heißen Quellen in den Bergen, Onsen genannt, oder alpine Skiläufer oder Wanderer, die sich zu den Gipfeln der japanischen Südalpen auf den Weg machen.

Um das Fahrvergnügen und die Beliebtheit der Strecke zu erhöhen, wurden ausgemusterte Dampflokomotiven wieder betriebsfähig aufgearbeitet und ab dem 09. Juli 1976 in Betrieb genommen. Die Oigawa-Eisenbahngesellschaft beherbergt eine Vielzahl historischer Lokomotiven und Wagen, sowohl für den Dampf- als auch für den Elektrodienst, was die Linie zu einem Liebling bei Zugbegeisterten und Fotografen macht. Damit gilt die Oigawa-Eisenbahn als Vorreiter der heute als Touristenmagnet in strukturschwachen Gegenden Japans eingesetzten Dampflokfahrten. Dampfzugfahrten gelten in Japan als Expresszug und verstehen sich als zusätzliches Angebot. Züge mit Dampflok können also genauso wie ganz normale Züge mit einer normalen Fahrkarte und Sitzplatzreservierung genutzt werden. Es wird nur den Sitzplatz- / Express-Zuschlag entrichtet, sonst entstehen keinen weiteren Kosten. Da Sitzplatzreservierungen für Japan-Rail-Pass-Inhaber kostenlos sind, kann der Japan-Rail-Pass-Nutzer kostenlos Dampfzug fahren ! Die Expresszüge und dampflokgeführten Züge der Oigawa-Strecke halten nur in den Bahnhöfen Kanaya (Übergang zur JR Tokaido), Shinkanaya, Ieyama, Shimoizumi, Suruga-Tokuyama und dem Endpunkt Senzu. Dampfzüge fahren allerdings erst in Shinkanaya ab, verkehren nicht bis nach Kanaya, da es dort keine Umsetzmöglichkeit geschweige denn eine Drehscheibe gibt. Güterverkehr findet hingegen nicht mehr statt; der wurde 1983 eingestellt.

2016 kaufte die Oigawa Eisenbahngesellschaft vier 14-Serie-Wagen der JR Hokkaido, die diese für den Hamanasu-Nachtzug (Aomori - Sapporo) einsetzten. Mit Eröffnung des Hokkaido-Shinkansen (Abschnitt Shin-Aomori - Shin-Hakodate-Hokuto) im März 2016 wurden die beiden Nachtzüge nach Hokkaido (Hamanasu und Cassiopeia) eingestellt und die Wagen überflüssig. In ihrem neuen Einsatzgebiet sollen die Personenwagen den Dampfzügen beigegeben werden, um die Belastung der altbetuchten Wagen zu verringern.

Ab Senzu wird die Linie als Ikawa-Eisenbahnstrecke geführt und ist Japans einzige Zahnradbahn. Auch sie wird von der Eisenbahngesellschaft Oigawa Railway betrieben. Auf ihren nur knapp 26 Kilometern befährt die Bahn 61 Tunnel und 51 Brücken. In diesem Abschnitt gibt es nur gar keine Städte mehr und eine noch geringe Bevölkerungsdichte. Die Bahn zeichnet sich durch spektakulären Landschaften aus. Zu den bekanntesten Fotopunkten gehört zweifelsohne die Okuoi-Regenbogen-Brücke. Der Dampfzug verkehrt nicht auf diesem Streckenabschnitt.